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Die Kuh

Die Kuh:

MILCH  vom Bauern

-wie geht denn das?

 

   Der Bauer hat eine Kuh. Wenn die Kuh beim Bullen war, kommt nach 9 Monaten ein Kalb zur Welt. Das Kalb bleibt 4 Tage bei der Kuh (wenn es eine Milchkuh ist) und bekommt danach im Kälberstall die Milch aus dem Nuckeleimer warm getränkt. Jetzt melkt der Bauer die Kuh. Das Euter hat 4 Zitzen und muß trocken mit Holzwolle gereinigt werden, damit die Milch lange hält. Das Reinigen der Striche stimuliert bei der Kuh die Okzytocin-Ausschüttung (Milchbildungshormon) und die Milch sammelt sich im Euter. Das Melken dauert ungefähr 7-8 Minuten. Eine Kuh auf dem Kattendorfer Hof gibt pro Melkzeit zwischen 10 15 Liter Milch pro Melkzeit. Wenn der Bauer Zeit hat die Kuh zu Striegeln, gibt sie vielleicht noch ein bisschen mehr. Nach 3 mal 3 Wochen kommt die Kuh wieder zum Bullen und wird gedeckt. Der Bauer melkt die Kuh so um die 300 Tage, und sie gibt dann am Ende der Laktation vielleicht noch 3 Liter pro Melkzeit. Dann hat sie wieder einen sehr dicken Bauch, den sie eigentlich sowieso immer hat, aber diesmal ist auch die rechte Seite dick, weil dort das neue Kalb liegt und ungefähr schon 25 kg wiegt. Jetzt darf die Kuh nicht mehr gemolken werden, damit in den nächsten 60 Tagen das Kalbfötus noch mal 25 kg zunehmen kann und sich das Euter erholen kann.

Damit das alles funktionieren kann, braucht die Kuh sauberes, Nitratarmes und vor allem reichlich Wasser. Sie trinkt mit 3 Schlucken locker einen 10 Liter Eimer leer und im Sommer pro Tag 8 Eimer aus. Und sie braucht natürlich jede Menge gutes Futter. Im Sommer bringt sie der Bauer auf die Weide. Im Mai wächst das Gras so schnell, das die Kuh nicht dagegen an fressen kann, obwohl sie 80 kg Gras am Tag frisst. Die Weiden, die sie nicht schafft abzufressen, werden Ende Mai, Anfang Juni zu Heu gemacht  (Mähweiden). Die Wiesen, wo die Kuh nie zum fressen hinkommt, werden etwas später auch zu Heu gemacht. Das ist der erste Schnitt. Der zweite Schnitt erfolgt im Juli, August und ist nicht mehr ganz soviel, weil das Gras nicht mehr ganz so schnell und viel wächst und die Kuh jetzt auch auf den Mähweiden frisst. Der zweite Schnitt ist Wiesenheu und nennt sich Grummet und wird gerne an das Jungvieh verfüttert. Im Winter, der bei uns länger als der Sommer dauert nämlich 200 Tage- steht die Kuh im Stall und frisst den ersten Schnitt auf. Das sind ca 3000 Kg Heu. Und sie braucht noch ungefähr 1200 Kg Stroh, damit sie sich immer schön sauber hinlegen kann. Und beim Liegen und Wiederkäuen braucht sie viel Ruhe, umso mehr Milch gibt sie.Am Ende eines Milchjahres hat die Kuh ca 6200 Liter Milch gegeben und bringt nach 2 Monaten Trockenstehzeit ein neues Kalb auf die Welt. Nach 4 Tagen kann der Bauer die Kuh wieder melken. Die Milch wird wieder gekühlt und abgefüllt. Unsere älteste Kuh Dolly ist so breit wie lang und 12 Jahre alt, hat 7 Kälber zur Welt gebracht und bisher 50.000 Liter Milch gegeben .Damit der Bauer immer Milch hat, braucht er eine zweite Kuh. Damit fängt das ganze Dilema an:

Eine Kuh macht MUH

Viele Kühe machen MÜHE.

 

So war das früher, heute ist alles anders. Konventionell industrielle Milchproduktion guckt man sich am besten auf der website the meatrix an: Embryo-Transfer, Enthornen, 25 Liter pro Melkzeit,  10.000 Liter im Jahr, 12 Kg Kraftfutter pro Tag mit Gen-Soja aus Brasilien, Automatenfütterung mit Transponder,  reine Stallhaltung das ganze Jahr, nur Silage-Fütterung aus Ackerfutter und Mais, Melkroboter oder Melkkarussel, Herdendurchschnitt 1,5 Kälber pro Kuh und die Kuh mit 4 Jahren zum Schlachter, Erdbeerkrankheit, Sauermilchtränke für die Kälber : das wollen wir alles nicht.

 

Bei uns ist es nicht ganz wie früher, aber ein bisschen so ähnlich. Statt Heu füttern wir Heulage, weil wir nur sehr wenige Weiden und noch weniger Wiesen haben. Die Weiden, die früher zum Hof gehörten, wurden drainiert und umgebrochen und dann geackert, nachdem 1976 der Kuhstall abgebrannt war und der Hof auf Schweinemast umgestellt wurde. Dann brauchte man viel Getreide statt der Kuhweiden. Das ist bis heute so geblieben, weil auch die Förderung für Ackerflächen durch die EU höher ist und wir auf diese Prämiengelder (noch) nicht verzichten können. Weil aber trotzdem

wieder 46 Milchkühe auf dem Betrieb sind (vor `76 waren es 75 Milchkühe), brauchen wir jede Menge gutes Kuhfutter. Dafür säen wir auf den Ackerflächen eine Mischung aus Rot- und Weißklee und verschiedenen Gräsern. Dieses Kleegras bleibt 2 Jahre stehen und wird jedes Jahr 3 Mal genutzt. Weil der Klee sehr dicke Stengel hat und diese schlecht trocknen, können wir kein Heu machen. Dafür bräuchten wir eine Heutrocknung oder ein Spezial-Mähwerk mit Quetschwalzen. Wenn wir irgendwann dann mal Heu machen können, werden auch im Winter die Löcher im Käse weniger und schöner aber das ist ein anderes Thema. Die Wintermilch aus der Silage schmeckt etwas anders als die Weidemilch. Aber bei Heulage merkt man den Unterschied kaum.

Unsere Kühe werden alle mit der Maschine gemolken. Bis auf die Dolly, die noch richtige Handmelk-Striche hat, haben alle Kühe nur noch sehr kleine Striche, die gut in den Melkbecher passen (Züchtungsfortschritt!?!). Striegeln macht die Alfa-Laval Kuhbürste, die ein bisschen an eine Autowaschanlage erinnert die Kühe stehen hier Schlange und die Bürste läuft fast ununterbrochen. Soviel Zeit hätte der Bauer gar nicht.

Unsere Milch wird gemolken, seit der neuen Rohrmelkanlage gepumpt, gekühlt und abgefüllt. Wenn wir zuviel Milch haben oder der Käser krank oder in Urlaub ist, geben wir die Milch an die Meierei. Wir haben die Kannen-Nr. 272, was noch von früher kommt, als der Bauer noch die Milchkannen an die Straße gestellt hat. Die Meierei zahlt uns ca . 22 bis 28 Cent je Liter. In der Herstellung kostet uns 1 Liter 60 Cent. Deswegen müssen wir möglichst viel Milch selber verkaufen.

Die Meierei erhitzt die Milch im druckfesten System auf 121 °C, kühlt sie wieder runter, pumpt die Milch durch eine Baktofuge und eine Zentrifuge und stellt den Fettgehalt ein. Dann wird die Milch noch homogenisiert und mit hohem Druck durch eine feine Düse geschickt, damit die Fettmoleküle zerschlagen  werden und die Milch nicht mehr aufrahmt. Die Milch ist jetzt 3 Wochen haltbar und kommt als frische Vollmilch (ESL) in die Stadt.Wenn wir unsere Milch gemolken,gekühlt, abgefüllt- verkaufen  wollen, dürfen wir das auf dem Hof, wenn wir ein Schild mit dem Text `Rohmilch muß vor dem Verzehr abgekocht werden` daneben anbringen. Wenn wir unsere Milch in der Stadt verkaufen wollen, können wir entweder so wie die Meierei verfahren (was wir aber nicht wollen, weil wir eine Bauern-Milch verkaufen wollen), oder wir bekommen einen Vorzugsmilch-Status.

Wir haben einen gekachelten Melkstand und eine Quarantäne-Bucht, falls wir eine kranke Kuh haben. Der Tierarzt muß für unseren Betrieb die Gesundheit der Kuhherde dokumentieren. Die Milchkammer darf keine Verbindung zum Melkstand haben und es muß ein berührungsfreies Handwaschbecken geben. Im Milchlagerraum dürfen keine Melk- und Kälbertränke-Eimer aufbewahrt werden. Wir müssen einmal im Monat die Milch in einem zugelassenen Labor auf  6 verschieden Parameter untersuchen lassen. Die Untersuchung kostet ca. 100 Euro jeden Monat. Statt 100.000 Keimen /ml für Milch Güteklasse I an die Meierei darf die Milch max. 20.000 Keime haben. Sobald eine Kuh über 250.000 Zellen (Parameter für Eutergesundheit) hat, was bei älteren Kühen normal ist, muß der Tierarzt von jedem Viertel eine Probe ziehen und untersuchen lassen. Die Milch darf kein Mindest Haltbarkeits-Datum haben, sondern muß mit einer Verbrauchsfrist von max. 4 Tagen nach Melken versehen sein. Die Flasche muß wie alle Lebensmittelverpackungen auch versiegelt sein, damit man erkennt, falls sie geöffnet wurde. Für die Pfand-Flaschen muß es einen Spülraum (Grau-Bereich)geben mit einer Durchreiche in den Abfüllraum (Weiß-Bereich). Um in den Abfüllraum zu gelangen, muß man durch die Hygieneschleuse mit Dusche, Klo, Umkleidespind und Stiefelwaschvorrichtung.

In Deutschland dürfen die Bauern noch Rohmilch direkt an den Verbraucher abgeben, wenn sie Vorzugsmilchbetrieb sind. Vorzugsmilch ist regional. Regional-Milch wird verstärkt nachgefragt. Wir sind fast soweit. Unsere Milch hält 8 10 Tage. Wir freuen uns auf den Moment, wenn wir unsere Milch, so wie sie von den Kühen kommt, in unserem neuen Laden in Eimsbüttel abgeben dürfen.HH