Die Antwort unserer Ladnerin Jolke lautet so (zum Ende 2022 geschrieben, aber auch jetzt noch ganz aktuell; auch nachzulesen in unserer Print- Ausgabe des Kattendorfer Jahreshefts, zu finden in allen unseren Hofläden):

Es ist jetzt etwas mehr als ein Jahr nach Ladenübernahme des schönsten Ladens in Bad Oldesloe (“Gut Neverstaven”), und immer noch sieht das Leben für uns alle ganz anders aus, als wir es uns vorgestellt hatten.

Das Leben war durch die Pandemie schon so sehr auf den Kopf gestellt worden! Der Tumult ist auch noch nicht vorbei. Denn neben der Pandemie und dem Krieg ist auch das Klima und die Artenvielfalt in einer Krise, deren weitreichende Folgen mit jeder Jahreszeit deutlicher werden. Es wird auch immer deutlicher, dass wir diese Veränderungen zumeist selbst in der Hand haben. Das ist einerseits unangenehm, weil wir Dinge anders machen müssen, aber es gibt auch viele Handlungsperspektiven.

“Gesunde Ernährung ist vielleicht der wichtigste Beitrag zur Rettung des Planeten“, sagt Johan Rockström in David Attenboroghs Dokumentarfilm „Breaking boundaries“ aus dem Jahr 2021. Der Dokumentarfilm zeigt, dass wir mit unserem exzessiven und zerstörerischen Gebrauch von so ziemlich allem die Grenzen des Planeten so weit überschritten haben, dass das Klima – und damit die Grundlage für das Funktionieren der Ökosysteme und somit das Wachstum der Pflanzen – instabil wird und wir den Kipppunkt erreichen. Eine schwierige Botschaft. Zum Glück können wir noch so viel tun, jeden Tag! Jeden Tag entscheiden wir, ob wir freundlich zu uns und den Menschen um uns herum sind oder nicht. Jeden Tag entscheiden wir, welche Produkte wir verwenden und welche Lebensmittel wir essen. Und in all diesen Entscheidungen, vor allem in den kleinen, alltäglichen, liegt der Unterschied. Der Unterschied liegt auch darin, dass wir uns Schritt für Schritt aus dem Würgegriff des Handels lösen. Handel, der meist nur einen einzigen Zweck verfolgt: so viel Geld wie möglich zu verdienen, so schnell wie möglich, egal, was es die Erde oder andere Menschen kostet. Ein solcher Handel quetscht und vergiftet Land, das Grundwasser, Pflanzen, Tiere und Menschen bis zur Erschöpfung und treibt die Preise in die Höhe, besonders in Krisenzeiten, nur um ein besseres Geschäft zu machen. Und so hilft jede Entscheidung für lokale, saisonale und faire Produkte und jede freundliche Geste. Eine lokal geprägte Wirtschaft ist nicht so sehr auf Produkte aus der Ferne angewiesen, sodass Transportprobleme nicht so sehr ins Gewicht fallen, ebenso wenig wie die dafür benötigten fossilen Brennstoffe. Wenn es sein muss, können wir unsere Hofwaren auch mit Pferd und Wagen ausliefern!

In einer lokal geprägten Wirtschaft bleibt der Euro, den wir ausgeben, oft vor Ort und wird in der örtlichen Buchhandlung, beim Friseur und im örtlichen Geschenkeladen wieder ausgegeben, anstatt in den tiefen anonymen Taschen eines multinationalen Unternehmens zu verschwinden. So gibt es mehr Arbeit vor Ort, und die lokale Wirtschaft ist weniger abhängig von den Geschehnissen in der weiten Welt. Solidarität ist hier ein Schlüsselwort. Gerade jetzt, wo die Entscheidung für echte, faire und ehrliche Produkte wichtiger und oft auch schwieriger ist als je zuvor. Es ist auch eine Zeit, in der wir uns ein wenig mehr nach unseren NachbarInnen umschauen müssen. Haben alle genug zu essen? Können wir etwas von dem teilen, was wir haben? Können wir vielleicht einen Tausch machen? Es gibt also auch eine gute Nachricht: Wir können die Welt besser essen! Und es ist immer wieder erstaunlich zu hören, wie oft sich das Ernährungsbewusstsein und die Essgewohnheiten nach dem ersten vollen Jahr der Mitgliedschaft in der SoLaWi verändert haben. Die Zunahme des Wertbewusstseins, der Freude und des Gefühls, sich wieder mit dem Land, den Lebensmitteln und der Familie zu verbinden, sind die am häufigsten gehörten Kommentare, neben dem allgemeinen guten Gefühl, zu wissen, dass man mit jedem Bissen, den man isst, zu einer besseren Welt beiträgt, mit mehr Artenvielfalt, lebendigen Böden und einem fairen Leben für alle.

Was machen wir also nach einem Jahr Hofladen Bad Oldesloe? Wir leisten einen weiteren Beitrag zu der Welt, die wir sehen wollen. Mit Platz für weitere Mitglieder im Laden und einem Auge für jeden kleinen und großen Beitrag zu einer besseren Welt. Wir danken Ihnen und Euch, dass Sie dieses Jahr möglich gemacht haben, und freuen uns auf die kommende gemeinsame Zeit.

Jolke im Gespräch mit ihren Mitgliedern und KundInnen